Dahlina

Ein Märchen ...

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Dahlina ...und wie sie auf ziemlich abenteuerliche Weise zu einem neuen Herzen kam.

Der Herr spricht: Ich gebe euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch.(Ezechiel 36,26-27)

Die Krähe flog hoch in die rosa Wolken hinein und während sie flog wurde ihr schwarzes Gefieder immer blasser und blasser, von Flügelschlag zu Flügelschlag. Bis sie ganz vor ihren Augen verschwunden war. Sie blieb alleine auf der Lichtung zurück. Umringt von hohen blühenden Blumen fand sie auf einem umgekippten Baumstamm zum ersten Mal in ihrem Leben die Ruhe, die sich ihr wackeres Herz so sehr gewünscht hatte. Langsam setzte sie sich nieder und große Tränen der Erleichterung rannen aus ihren Augen die Wangen hinunter. Ihre Umwelt wirkte so ganz befremdend und unwirtlich auf sie. Nichts hatte mehr Ähnlichkeit mit dem Land aus dem sie geflohen war. Alles war so ganz anders. Vor ihr auf der Lichtung gab es eine Wiese, voll von blauen und rosa Blumen, über denen wilde bunte Schmetterlinge in der Abendsonne tanzten. Daneben spielte ein kleiner Bach mit seinen Kieselsteinen und rauschte in die Stille des Waldes hinein. „Dahlinaaaaaaaa, Dahlinaaaaaaaa.“ Dahlinas Herz klopfte wieder wie wild in ihrer Brust. Hatte man sie doch schon gefunden, waren ihr die Verfolger doch bis hier her gefolgt? Langsam und ganz zaghaft erhob Dahlina ihren Kopf und lauschte auf die Stimme, die fast nur ein Hauchen war und von weiter Ferne zu ihr drang. „Dahlinaaaaaa, Dahlinaaaaaaa, sei willkommen bei uns.“ ein Klang wie von zarten Glocken erfüllte die Waldlichtung. Dahlina vermochte es nicht zu sagen, ob es nur eine Stimme war oder ob mehrere sie begrüßten. Doch eines war ihr glasklar, sie hatte in ihrem ganzen Leben noch nie solch einen Klang wahrgenommen, doch ob der Klang ihr gefiel wusste sie nicht zu sagen und ein wenig ängstlich zitterte ihre Stimme als sie antwortete:“Wer ruft mich den da?“ „Dahlinaaaaaa“ und mit diesem Wort zog langsam eine schneeweiße Wolke vom Himmel herab, umgeben mit einem wundersamen weißen Licht, das so schön und strahlend war, so erhaben und heilig, dass selbst Dahlina aufstehen musste und auf ihre Knie sang. Das Licht formte sich ganz langsam, begleitet von einem tiefen alles harmonisierenden Ton in eine breite Treppe und einer Gestalt, gleich einem Engel. Dieser schritt, oder schwebte er? Die Treppe herunter und blieb direkt vor Dahlina stehen. Sie schaute in das Antlitz des Engels, der seine Arme ausbreitet und ihr sein schönstes Lächeln schenkte. Dahlina war starr vor Schreck, da erhob der Engel erneut das Wort:“Dahlina sei willkommen bei uns. Wir haben schon auf dich gewartet, so sei nun endlich willkommen bei uns. Lange haben wir dich schon beobachtet und mit Freuden gesehen wie du dich verändert hast, darum sei nun willkommen bei uns. Doch gib acht, der Hüter des Bösen lässt sich nicht so leicht besiegen. Doch du, sei nun willkommen bei uns. Wir schenken dir eine neue Gestellt, die dir helfen wird, besser hier zurechtzukommen und deine Verfolger zuerst verwirren wird, doch gib acht, der Hüter des Bösen lässt sich nicht so schnell täuschen. Auch wirst du vergessen, wer du warst und wo du herkommst, damit deine Seele Ruhe findet und die Liebe nun ganz leicht in dich hinein zieht, darum sei willkommen bei uns. Doch um wirklich eine von uns zu werden musst du die große Prüfung erst überstehen und gebe gut acht, der Hüter des Bösen ist geschickt. Und nun, nun sei willkommen.“ Wie zur Segnung erhob der Engel seine Hände und legte die eine auf Dahlinas Haupt und ehe sie sich versah, löste er sich auch so gleich wieder auf. Das Licht und die Wolke zogen an ihren Platz am Himmel zurück und Dahlina war erneut alleine. Doch hatte ihr die Berührung des Engels so unendlich gut getan und ihr so unendlich viel Mut gegeben, dass die Angst schon ganz vergessen war. Langsam schaute Dahlina an sich hinunter und sah mit großem Erstaunen, wie auch sie langsam anfing sich aufzulösen und hätte sie nicht so riesig viel Mut bekommen, hätte sie sicher ganz riesige Angst gehabt. Ihr dunkles zerrissenen Kleid, ihre knochigen Hände, ihre langen ganz verfilzten Haare, ja selbst ihre große Furcht einflößende Hakennase, die allerdings keine Warze besaß, alles löste sich auf. Dereinst in ihrer Heimat war sie auch keine Schönheit gewesen. Im Land der Finsternis, in dem Land wo Hexen zu Hause waren und böse Gestalten ihr Unwesen trieben, da war ihr Kleid immer viel zu sauber und viel zu hell und ihre Haare noch viel zu ordentlich und ihre Nase, ja, ihre Nase war viel zu klein und eben gewesen. Sie konnte da machen was sie wollte, kein Hexenspruch gelang ihr um nicht wenigstens einen winzig kleinen Pickel auf ihrer Nasenspitze zu zaubern, geschweige denn, eine große ausgeprägte Hexenwarze. Ihre Eltern hatten schon immer zu ihr gesagt:“Aus dem Kind wird nie was vernünftiges“, und manchmal schämten sie sich auch, ihrer missratenen Tochter wegen und so wurde Dahlina oft genug in ihrem Leben der Spielball der einfältigen, eitlen, ekeligen Hexen. Und wie sehr sie sich auch bemühte, richtig jemandem Angst ein zu jagen, hatte sie nie so wirklich geschafft. Doch nun, als sie sah, dass sie sich völlig auflöste und so gar nichts von ihr über blieb, ob hässlich oder nicht, da wuchs ihre Angst trotz des vielen Mutes nun doch ganz plötzlich ins Unermessliche Grenzenlose und sie schrie los so laut sie konnte. Denn solange sie sich hören konnte war sie ja noch da, dachte sie. Doch plötzlich war sie ganz verschwunden, nur schreien, hörte sie sich immer noch und sogleich schien es ihr, als ob sich aus ihrem Schrei ein ganz neuer Körper formte. Doch dieser war um einiges kleiner und ungeschickter. Ihre Beine konnten sie nicht mehr tragen und die Arme gehorchten ihr nicht mehr. Dahlinas Angst wuchs immer noch weiter und sie schrie so richtig wie am Spieß. Da wurde sie plötzlich von zwei riesigen Händen in die Höhe gehoben und fand sich in den liebevollen Armen einer jungen wunderschönen Frau wieder. Alles war ganz seltsam. „Sieh mal, Baho, wen ich hier gefunden habe, so ein entzückendes kleines Baby. So allein hier mitten im Wald. Du armes kleines Geschöpf.“ und nach diesen Worten wiegte Talie Dahlina hin und her und summte leise ein Lied. Baho, der Mann von Talie, eilte flucks herbei und schaut Dahlina zwar ungläubig aber ebenso liebevoll an. Da hörte das Baby auf zu weinen und viel ganz erschöpft von der Aufregung und der plötzlichen Geborgenheit, die es umgab in einen tiefen Schlaf. Baho und Talie nahmen das Kind mit zu sich nach Hause und da sie niemanden fanden, dem das Kind gehörte, behielten sie es und behüteten es, gleich, als wäre es ihr eigenes. Sie tauften Dahlina auf den Namen Aldahni und für Dahlina, also Aldahni, begann eine wunderbare Zeit und bald wurde sie der Liebling der Waldbewohner. Sie spielte mit den Elfen und Trollen, dem Wind und den Blumen. Spielte mit dem Bach und den Kieselsteinen und lernte alle Wesen aus teifstem Herzen zu lieben. Wie der Engel ihr prophezeit hatte, vergaß sie alles was sie einst war. Langes honigfarbendes Haar schmückte ihr schönes Gesicht, als sie älter wurde, sie hatte süße Apfelbäckchen und schaute, ein wenig verträumt aus blauen Augen in die Welt. Hier hätte unsere Geschichte enden können, wenn nicht eines Nachts Pahlie, die kleine Elfe, ganz aufgeregt und außer Atem, als kleines funkelndes Licht, zu Aldahni ins Schlafzimmer gerauscht kam. Sich mit einem, für eine kleine Elfe, ziemlich lauten Knall in ihre Gestallt verwandelte und Aldahni aus ihrem Alptraum holte. So lange Ahldahni denken konnte, hatte sie diese Alpträume. Jede Nacht! Und nicht nur Aldahni war davon befallen, alle Bewohner, alle Wesen wurden, wenn sie sich des Nachts zur Ruhe legten mit Alpträumen gequält. Denn der schreckliche Fürst der Finsternis hatte vor langer Zeit den Mond verschluckt, die Sterne in seine Gewalt gebracht und die Nacht für sich erobert. Da die Wesen hier erleuchtete Wesen waren, von der Liebe des Lichtes, konnte der finstere Fürst und seine Anhänger nur nachts in den Träumen ihr Unwesen treiben, dass diese natürlich schamlos ausnutzten. Aldahni schreckte hoch und konnte gerade noch verhindern, wie Pahlie versuchte, mit einer Stecknadel ihr in die Nasenspitze zu pieken. Für Pahlie war diese Aktion eine mächtige Anstrengung, war doch die Stecknadel für sie so groß, wie ein mächtiges Schwert. „Aaaah, Pahlie, was fällt dir ein?“ „Aldahni, oh Aldahni, es ist etwas schreckliches passiert, Aldahni, es wird Zeit, du musst dich erinnern!“ „Pahlie, was redest du da, an was soll ich mich erinnern“ „An das, was du einst warst, Aldahni, du musst Dich erinnern.“ „An das was ich einst war? Du redest ziemlich wirr. Was meinst du damit?“ „Oh, Alddahni, du weißt doch, dass Elfen alles wissen, sie können ja auch einen Moment eher in die Zukunft gucken und sie wissen alles was vergangen ist, alles was einst geschah, von allem und jedem, vom Anbeginn der Zeit, nur sind wir wohl eben zu klein und haben wohl nicht so die Kraft, dass wir auch davon erzählen können.“ und dabei machte Pahlie ein ganz zerknirschtes Gesicht, denn wie toll sie es auch fand eine Elfe zu sein, das fand sie allemal ganz und gar ganz blöd, denn sie konnte erst von den Dingen erzählen, wenn die anderen das auch schon wussten und es eben nichts neues mehr war; „Komm schon, Aldahni, du musst dich eben erinnern, los schon, versuch es doch wenigstens.“ „Oh, Pahlie, aber an was, gib mir einen Anhaltspunkt, wie, wie lange ist denn das her?“ „Lange, Ahldani, lange, lange, lange Zeit. Du musst dich daran erinnern, wer du warst, bevor du warst.“ „Wer ich war, bevor ich war? Was ist denn das für ein Blödsinn, Pahlie, du träumst, dass geht doch gar nicht. Ich war schon immer die, die ich bin, so lange ich denken kann.“ „Du musst versuchen dich zu erinnern. Da ist noch was, etwas, dass du verdrängt hast, und sie werden dich jetzt finden und bist du nicht vorbereitet, werden sie dich wieder mitnehmen. Oh Aldahni, ich habe solche Angst um dich, Aldahni, solche große Angst.“ und mit diesen Worten klammerte sich die kleine Elfe, die in der Zwischenzeit auf die Hand ihrer Freundin geflogen war, verzweifelt an Aldahnis Daumen und vergrub ihren Kopf dahinter . Draußen verdunkelte sich der finstere Nachthimmel noch ein wenig mehr, durch die Wolken, die aufgezogen waren und es begann ganz doll zu regnen. Immer, wenn Elfen weinen, weint der Himmel auch. „Aber Pahlie, nun weine doch nicht. Schau doch, Du machst ja alles nass. Wenn ich mich nicht erinnern kann, dann können die, wer immer das auch sein soll, mich ja vielleicht auch gar nicht mitnehmen. Ist doch klar! Und, weißt du Pahlie, vielleicht hast du ja auch nur geträumt, das weiß man bei den miesen Träumen die wir haben doch sowieso nicht genau.“ und während sie sprach, nahm sie Pahlie behutsam in ihre Hand und streichelte ganz ganz vorsichtig und nur mit einem Finger über ihren Kopf, bis sie eingeschlafen war und sich in ihren Alpträumen wiederfand. Auch Aldahni fiel in ihren Traum zurück, doch irgend etwas hatte sich plötzlich verändert, das merkte sie ganz genau. Als die Sonne die Nacht vertrieben hatte und ihre segenspendenden Strahlen den neuen Tag ankündigten, erwachten beide. Aldahnis erster Gedanke war Pfannkuchen, sie hatte einen mords Hunger. Pahlie jedoch war immer noch ein wenig ängstlich und die Ringe unter ihren kleinen Augen verrieten, dass Kummer sie bedrückte, Kummer von dem sie nicht reden konnte und das war Kummer von der schlimmsten Sorte. Wortlos reckte sie ihre kleinen Flügel und gerade als sie ihre Stimmer erheben wollte, fiel Aldahni ihr liebevoll und keck ins Wort. „Pahlie, ich weiß was wir heute machen werden, um dich von diesem schrecklichen Alpdruck zu befreien. Wir werden ein wunderschönes Frühstück zu uns nehmen, dann begrüßen wir die Sonne und gehen hinunter zum Bach, um den Geschichten der Steine zu lauschen, vielleicht wissen die ja mehr.“ und dabei grinste sie von einem Ohr zum anderen. Und da hörten sie auch schon die Stimme von Talie. „Aldahni, das Frühstück ist fertig, komm bevor die Pfannkuchen kalt werden.“ Erstaunen macht sich da auf Aldahnis Gesicht breit. Die Pfannkuchen? Ihre Mutter hatte noch nie, solange sie denken konnte, im Frühling Pfannkuchen gemacht. Sie meinte nämlich, dass Pfannkuchen nur richtige Pfannkuchen sind, wenn man sie mit frischen Pflaumenmuss oder Holunderbeeren zubereitet und die gab es nun mal nicht im Frühling...- Aber, ach egal - erstaunt und eben so begeistert stürmt Aldahni die Treppe herunter und Pahlie ebenso hinter ihr her. „Mami, sagtest du Pfannkuchen?“ so poltert Aldahni in die Küche. „Ja, mein Kind, Pfannkuchen!“ Lacht Talie. „Aber woher wusstest du denn, dass ich heute morgen als erstes an Pfannkuchen denken musste?“ Immer noch vor sich hin lächelnd sagte Tahlie: „ Manchmal können Mütter eben Gedanken lesen.“ Und dabei tat sie ein bisschen geheimnisvoll, doch dann lachte sie wieder und sprach weiter: „ Ich weiß auch nicht, irgendwie muss ich das wohl gespürt haben.“ Und wieder ließ Talie ihr wie Glocken klingendes Lachen ertönen und alle, auch Baho, der in der Zwischenzeit die Küche betreten hatte, musste, obwohl er gar nichts von dem Sachverhalt wusste, in das Lachen mit einstimmen. Das Frühstück wurde, wie Aldahni versprochen hatte, wunderschön und nur die kleine Elfe registrierte den Zwischenfall mit den Pfannkuchen im Frühling mir einer gewissen Befangenheit. Nach dem Frühstück fuhr Baho in die kleine Stadt am Rande des Waldes um seine Weidenkörbe und Krüge auf dem Markt anzubieten und mit so einerlei brauchbaren Gegenständen wieder zurückzukehren. Aldahni sprach kurz mit ihrer Mutter über Pahlies Alptraum und bevor Aldahni fragen konnte, ob sie, um Pahlie wieder auf neue Gedanken zubringen, mit ihr hinunter zum Bach durfte, sagte Talie, mit ihrem liebevollen Lächeln: „Was hältst du davon Aldahni, wenn ihr beide jetzt raus an die frische Luft geht und ich mich um die Küche kümmere?“ Normalerweise teilten sich Talie und Aldahni die Arbeit im Haus, damit beide schnell mit den Pflichten fertig wurden, um sich dann ihren Lieblingsbeschäftigungen zu widmen. Doch dieses Mal fand Talie es bestünde eine Ausnahme und duldete keinen Widerspruch. So zogen Aldahni und Pahlie hinaus in die Sonne. Aldahni hielt kurz inne als sie ihren Lieblingsplatz, die Wiese in der Waldlichtung erreichten. „Pahlie, ich weiß nicht, heut scheint ein ganz besonderer Tag zu sein. Alles was ich mir wünsche, geht in Erfüllung.“ Pahlie schaute ihre Freundin nur ein wenig besorgt an, „und das erinnert Dich nicht, an irgendetwas?“ Aldahni zog ihre Nase kraus, doch dann zuckte sie mit den Schultern und begann mit den Strahlen der Sonne auf der Wiese zu tanzen. Dann lief sie hinunter zum Bach, immer dicht gefolgt von ihrer Freundin, die etwas mühe hatte mit ihren kleinen Elfenflügeln hinterher zu kommen. Dort angekommen lauschten sie auf das Murmeln des Baches um sich nach einiger Zeit tobend durch den Wald zu spielen. „Aldahni, schau was ich gefunden habe, das ist aber merkwürdig,“ sagt Pahlie und flattert über ein ovales dunkelviolett schimmerndes Etwas. Aldahni, die wie ein flinkes Reh in null Komma nichts bei Pahlie war, staunt nicht schlecht, als sie eine mittelgroße Pflaume im Gras liegen sah. „Äußerst merkwürdig, Pahlie, eine Pflaume im Frühling und weit und breit kein Pflaumenbaum in der Nähe.“ sprachs, nimmt die Pflaume auf und beißt hinein. Die kleine Elfe tat einen Schrei des Entsetzens, in der gleichen Sekunde, da die Pflaume halb in dem Mund ihrer Freundin verschwand und ließ äußerst laut und für so eine kleine Elfe ganz empört vermerken: „Aber, Aldahni, wenn die Pflaume nun vergiftet ist, man weiß doch nie!“ „Wenn es aber keiner von uns ausprobiert, wird es auch keiner von uns erfahren, ob vergiftet oder nicht!“ „Meine Güte bist du einfältig.“ Grinsend schob Aldahni den Rest der Pflaume hinterher und stellte sich vor, wie sie Pahlie im Pflaumenkernweitspucken beeindrucken würde. Wie dumm sie doch war, nicht eine Sekunde über die Merkwürdigkeit der Frühlingspflaume nachzudenken. Denn während sie noch überlegte, welches Ziel sie für den Pflaumenkern in Augenschein nehmen sollte, rutschte dieser über ihre Zunge und verwand direkt in ihrem Magen. „Ups, das war der Kern, ich glaub, ich hab ihn grad verschluckt.“ Sie räusperte sich ein paarmal, zog die Schultern hoch und sagte: „Na, ja nun, der Kern ist eben weg und lässt sich auch so schnell nicht wieder finden. Vielleicht wächst mir ja jetzt ein Pflaumenbaum im Magen.“ Dann lachte sie wieder und sprang fröhlich ihrer Wege. Die kleine Elfe beobachtete indes das Ganze sehr, sehr skeptisch und flog wortlos hinter drein. Hätte sie nicht diese äußerst beängstigenden Vorahnungen von denen ihr nicht möglich war zu sprechen und wäre ihr nicht die Dringlichkeit bewusst, dass Aldahni sich erinnern sollte und wäre da nicht die seltsame Pflaumengeschichte im Frühling, sie wäre ihrer Freundin ebenso sorglos hinterher geflogen. Aber so! Wie würde das Ganze nur enden? Der Verlauf des weiteren Tages verflog jedoch im nu, die Sonne verlor sich hinter dem Horizont und die finstere Nacht brach an. Alle Bewohner schlüpften in ihre Behausungen und diejenigen, die vom Anbruch der Dunkelheit überrascht wurden, da sie die Zeit vergaßen, fanden, so wie jene, die auf Reisen waren, zu weit weg von zu Hause, ihre Unterkunft im nächst liegenden Haus und wurden mit der gleichen Herzlichkeit empfangen, als gehörten sie zur Familie. So kam es, dass manches Mal Spatzen oder Armeisen, sowie Wanderer oder dergleichen auch bei der Familie von Aldahni ein behagliches Schlaflager fanden. Wie auch an diesem Abend, als es an der Tür klopfte und eine Krähe um Einlass bat. Die Familie saß gerade zu Tisch und auch Pahlie war mit von der Partie, wollte sie ihre Freundin doch nicht mehr für einen Moment aus den Augen lassen. Die Krähe wurde freundlich an den Abendbrottisch gebeten und bekam einen Teller voll Brotkrumen, die sie ein wenig schüchtern doch herzlich dankend herunter pickte. Aldahni kann die Augen nicht von dieser Krähe lassen. An irgendetwas erinnerte sie der Vogel, aber nur an was? Als die Schlafenszeit gekommen war, nach dem man sich mit interessanten und lustigen Geschichten die Zeit vertrieben hatte, alle sich trotz des Wissens um die Alpträume, eine gute Nacht wünschten und Aldahni und Pahlie im Bett lagen, fragt Aldahni in die Dunkelheit hinein: „ Du, Pahlie, kennst Du die Krähe? Kommt sie aus dieser Gegend, weißt Du das?“, „Ja, Aldahnie, ich kenne die Krähe und ja, sie kommt aus unserer Gegend. Und Aldahni, Du kennst sie auch, Du musst Dich nur erinnern!“ „Pahlie, diese Krähe kommt mir schon echt bekannt vor und sie erinnert mich an etwas, aber ich weiß nicht so genau an was,“ und mehr zu sich selbst als zu ihrer Freundin sagt sie noch: „An was nur, an was?“ Doch bevor sie die Unterhaltung fortsetzen konnten, hatte der Schlaf sie auch schon in seiner Gewalt und was Aldahnie in dieser Nacht träumte, sollte sie nur noch mehr verwirren. Sie sah Licht, ganz viel Licht, kein normales Licht, nein es ist ein alles bestrahlendes Licht, heilig und erhaben, ohne geblendet zu werden konnte Aldahni ganz tief in dieses Licht hinein schauen. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Dann war das Bild aber auch schon wieder verschwunden und sie sah von der untergehenden Sonne rosa angestrahlte Wolken und eine Krähe, die sich in den Himmel erhob. Immer wieder wechselten die Bilder sich ab, erst ganz langsam um dann immer schneller und schneller in dieser sich abwechselnden Reihenfolge zu erscheinen, bis beide Bilder zu einem wurden und sie eine Stimme vernahm „Dahlinaaaa.“ Vor so viel Schreck, der in Windeseile durch Aldahnis Körper ging, als sie diesen Namen hörte, wollte sie nur noch weichen und fand sich im gleichen Moment, kerzengerade stehend und hellwach in der hintersten Ecke ihres Zimmers wieder. Auch Pahlie fuhr erschreckt aus ihrem Schlaf und starrt ihre Freundin entsetzt an. Beide keuchten atemlos. „Was ist passiert, was ist den nur passiert Aldahni?“ „Ich, ich weiß, ich weiß es ja auch nicht. Ich hatte, ich hatte...“ stotternd versucht Aldahni Worte zu finden und atmete schnell und tief um sich zu beruhigen.. „Oh, man Aldahni, dass muss ja ein ganz speziell schrecklicher Alptraum gewesen sein, komm und setz dich. Du musst dich ja erst einmal beruhigen.“ Langsam ging Aldahni zurück zum Bett um sich zu setzen. Die Elfe flog zu ihr stellte sich auf einen Oberschenkel ihrer Freundin und versuchte, wie es eben irgend ging, Aldahni zu umarmen. Dabei reichte sie mit ihrem linken Arm man gerade an Aldahnis Bauchnabel heran und mit dem anderen kam sie knapp bis zur Seite. Aber der Wille zählt eben. „Ach, Pahlie, es ist etwas sehr, sehr seltsames gewesen. Ich hatte einen Traum, der war gar nicht so schrecklich, eigentlich...wenn ichs mir recht überlege, war er seltsamer Weise recht schön, so schön, dass er mich dann eben doch so erschreckte, wie ein reeller Alptraum und noch viel, viel schlimmer. Ich hatte eigentlich nicht das Gefühl, als wäre es ein richtiger Traum, weißt du, es war viel mehr wie eine Erinnerung, ups, Pahlie....ich erinnere mich ja! Oh, das ist ein echt seltsames Gefühl, ich glaub ich bin so ziemlich echt durcheinander. Es ist auch nicht wirklich so, dass ich mich an die Bilder erinnere, die ich im Traum gesehen hab. Aber Pahlie, an der Gefühl erinnere ich mich genau. So ein seltsames Gefühl, wie ich es bei der Krähe empfunden hatte. Doch bei der Krähe konnte es sich schon um eine richtige Erinnerung handeln, weil sie ja aus unserer Gegend kommt. Aber dieses Licht, Pahlie, ich weiß genau und das mit richtiger großer Bestimmtheit, so ein Licht hab ich in meinem ganzen Leben noch niemals gesehen. Doch das Schlimmste war, dass ich mit einem Mal einen Namen gehört hab, und dieser Name war es, der mich so erschreckt hat, dass ich plötzlich hier in der Ecke stand.“ Und mit den letzten Worten zeigte sie dorthin, wo sie eben noch gestanden hatte und machte dabei Augen, die größer waren als Pahlies Kopf, als wolle sie ihrem Bericht selber kaum Glauben schenken. „Und Pahlie, auch das ist das erste Mal, dass ich mir so etwas passiert ist. Ich bin noch nie, nicht mal bei meinen aller schlimmsten Alpträumen plötzlich so hell wach gewesen und wenn sie auch noch so scheußlich waren, erschrocken hab ich mich noch nie so doll!- Pahlie, glaubst du, dass Pflaumenkerne solche Träume verursachen können, vielleicht besonders wenn man sie im Frühjahr findet?“ Pahlie die aufmerksam der Erzählung ihrer Freundin gelauscht hatte, schaute mit großen erschrockenen Augen zurück und erwiderte ganz langsam und bedacht: „Vielleicht war die Pflaume ja doch vergiftet. - Doch sag mir, welcher Name hat dich so erschreckt?“ „Eine Stimme sprach den Namen Dahlina.“ Nach diesem Wort zog eine beängstigende Stille in das Zimmer hinein und Pahlie wagte kaum, diese zu durchbrechen, konnte sich aber dennoch nicht zurückhalten und flüsterte ganz laut: „Aldahni, du beginnst dich zu erinnern!“ und wieder gefolgt von der Stille verstrich die Zeit, bis Aldahni ihre Stimme wiederfand und erneut von Aufregung bebte: „Oh, bitte Pahlie, was meinst du damit, wer, wer ist diese Dahlina, oh sag es mir, wenn du es kannst. Kenne ich das Mädchen oder die Frau, oder wer auch immer und Pahlie, was für ein Licht habe ich da gesehen, an was soll ich mich erinnern? Pahlie? An was? Hilf mir doch!“ Pahlie in des ließ ihre Flügel hängen, ihre Schultern und zu guter Letzt auch ihren Kopf. Sie wusste ja alles, doch so sehr sie sich auch bemühte, sie bekam kein einziges Wort über ihre Lippen, dass ihrer Freundin geholfen hätte, nur so viel: „Du kennst Dahlina, sehr gut sogar. Oh Aldahni, ich kann doch immer nur über Dinge reden, die auch du schon weißt, zumindest so einigermaßen weißt. Ich würd Dir ja gern so viel erzählen, ich würd dir doch so gern helfen wollen aber, aber,...oh, ich kann, kann...“ und die letzten Worte des Satzes verloren sich in den Tränen der kleinen Elfe und ein heftiger Platzregen ergoss sich aus dem Himmel. Während Aldahni ein paar Finger ganz, ganz vorsichtig zum Trost um ihre Freundin legte und diese unter Tränen wieder in den Schlaf viel. Aldahni schaute in dieser Nacht noch lange aus dem Fenster. Als würde sie in dem Nebel der durch den Regen entstanden war und sich nun von der Erde erhob, die Erinnerungen wiederfinden können, die schon lange nicht mehr zu ihr gehörten. Aufgewühlt von den Geschehnissen wurde sie von einer seltsamen Macht nach draußen gezogen. Behutsam legte sie Pahlie auf ihr Bett und deckte sie mir einem Zipfelchen ihres Bettuches zu, dann schlich sie sich aus dem Haus. Draußen in der Stille der Zeit, wo Tag und Nacht sich einander begegneten, zog es sie ganz langsam zu jenem Ort zurück, den sie als Aldahni so sehr liebte und wo sie als Dahlina ihre Rettung gefunden hatte und wo alles begann. Zurück zu der Waldlichtung unten am Bach. Die schwarzen Silhouetten der Bäume standen drohend um sie herum, während die Sonne ihr Licht ganz langsam vom Horizont erhob. Da geschah es, mitten in die Stille der Zeit schoss ein enormer Knall und Rauch zog auf und Blitze zuckten und ganz plötzlich lag ein widerlicher Gestank in der Luft. Die Zeit schien stehen geblieben zu sein und schemenhafte Erinnerungen zogen als innere Bilder durch Aldahnis Kopf, oder war es bereits Dahlina, die dort in der Mitte der Lichtung wie angewurzelt stand? Nur dieser ekelige Geruch nach Pech und Schwefel ließ eines mit ganz großer Bestimmtheit vermuten: etwas ganz Schlimmes lag in der Luft! Da tauchte auch schon aus dem Nebel, der alles in seiner näheren Umgebung in ein Farbloses grau in grau tauchte, eine Gestalt auf. Alles erwartend, was nichts Gutes war, ließ Aldahni zurückweichen. Doch die Gestalt, die sie da zu Gesicht bekam, verwunderte und erschreckte sie zugleich. Es war ein wunderschöner Prinz, prächtig gekleidet, in einem purpurrotem Gewand, das schwarz abgesetzt war. Er trug auch einen purpurroten Prinzenhut, mit einer tiefschwarzen Feder und blitzte aber gefährlich aus seinen wasserblauen Augen. Während seine Gesichtszüge ein liebliches Lächeln trugen. Und als Aldahni in diese Augen schaute, fiel ihr alles auf einem Schlag wieder ein. Sie war Dahlina! Sie war die böse Hexe gewesen, aus dem Lande der Finsternis, das regiert wurde von dem schrecklichen finsteren Fürsten, da, wo nur das Böse zu finden war. Schock schwere Not! Das musste Ahldani erst einmal verdauen. Doch als Dahlina war sie schon damals ganz anders gewesen, als die anderen schrecklichen finsteren Gestalten der Nacht. Und war auch anders, als die bösen Hexen und missgünstigen Zauberer ihrer Familie. Plötzlich hörte sie ein scheußliches ohrenbetäubendes Lachen und sah ihre Verwandtschaft um sich herum, die sie böse anfunkelten, während sie als ganz kleines Hexenkind mit den Kröten lieber spielte, statt sie zu verhexen oder zu töten. Sie sah Bilder aus ihrer Vergangenheit, wie die Schüler aus der Hexenschule sie hänselten und ihr ein drittes Bein anhexten, das viel länger war las ihre eigenen, so dass sie fast bei jedem Schritt stolperte und hinfiel und alles nur, weil sie den Unterricht gestört hatte mit Fragen wie diese: „Was fühlen wohl die Tiere und die Menschen, wenn wir was mit ihnen machen?“ oder „Können Kröten auch als Menschen glücklich werden?“ Sie hatte immer schon so ein komisches Gefühl um den Stein herum gehabt, der an manchen Tagen ganz schwer in ihrer Brust lag und als sie mit 300 Jahren ihre Hexenprüfung immer noch nicht bestanden hatte, wurde sie ganz schwer krank und auch das konnte sie jetzt ganz deutlich spüren. Ausgestoßen von ihrer Sippe lag sie ganz allein im finsteren Wald und musste fürchterlich weinen, sie war ganz irritiert, denn Hexen weinen eigentlich gar nicht, und so genau wusste sie auch nicht was das war, aber sie wurde schrecklich nass und fühlte sich miserabel. Dann spürte sie plötzlich Krämpfe um ihren Stein und konnte sich vor Schmerzen kaum noch rühren. Während die Bilder der Vergangenheit Dahlina einholten, sank sie auch dieses Mal wieder vor Schmerzen in die Knie und versuchte ihr Herz mit den Händen zu fühlen. Damals, im Wald polterte ihr der Stein dröhnend auf den Waldboden und sie vernahm laute fremde Geräusche in ihren Ohren, bis sie mit einem Mal spürte, wie seltsames Leben in ihr hoch kam und ein Gefühl, das sie noch nie zuvor gespürt hatte, machte sich in ihrem Körper breit. Das dröhnende Geräusch wurde langsam leiser und ihr wurde gewahr, dass der Stein platz gemacht hatte, für ein ganz echtes lebendiges Herz, das nun in einem harmonischen Rhythmus freudig am klopfen war. Der Schmerz war verschwunden, sie stand langsam auf und jubelte vor Glück. Sie hatte jetzt ganz echte schöne Gefühle und da sie nie geahnt hatte wie schön Gefühle sein können wurde ihr richtig schwindelig und heiß und plötzlich fiel sie um.....

Kontakt:
Petra Schober
Christian-Seebade-Str. 25
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Telefon: 0421 / 83 99 262
E-Mail: hallo@petraschober.de

 

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